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Simon, Fritz B.: Gemeinsam sind wir blöd?! Die Intelligenz von Unternehmern, Managern und Märkten.

Intelligenz ist ein Begriff, der zur Bezeichnung einer (vermeintlichen) Eigenschaft von Individuen verwendet wird, nicht aber von Unternehmen oder gar Märkten. Die Aussage Gemeinsam sind wir blöd erweist sich weder zwingender weise als richtig oder als falsch. Vielmehr hängt es von der Organisation der Kommunikation der Mitglieder eines sozialen Systems ab, ob  das soziale System intelligenter ist als seine Mitglieder - oder nicht.

Beide Seiten der im Titel eingeführten Ambivalenz - Intelligenz und Blödheit - sind die Seiten derselben Medaille, um da eine kann nicht ohne das andere verstanden werden. Daher ist es als Leitfigur eines Unternehmens, einer Abteilung oder eines Teams wichtig mit den Mechanismen vertraut zu sein die zu intelligenten oder weniger intelligenten Entscheidungen führen. Das Buch beschäftigt sich mit diesen Mechanismen.

Soziale Systeme sind als Kommunikationssysteme zu verstehen. Sie funktionieren daher anders als die Alltagslogik oft nahe legt. Wenn Manager - und Unternehmen - scheitern,,  dann meist deshalb weil sie nicht wissen nach welchen Prinzipien Kommunikationssysteme ihre Strukturen entwickeln und aufrecht erhalten. Der Königsweg in dieser Art von System steuernd Einfluss zu nehmen, führt laut Fritz B. Simon über die Fokussierung der Aufmerksamkeit. Was nicht in den Fokus der Aufmerksamkeit kommt, wird in der Organisation nicht beobachtet, und was nicht beobachtet wird, hat keine soziale Realität. Daher lauten die zentralen Fragen für das Management:

Wer schaut wohin - und welcher blinde Fleck entsteht dadurch?
Wer nimmt welche Phänomene war - und welche werden ausgeblendet?
Wer bewertet was wie - und eben nicht umgekehrt oder anders?
Welche Entscheidungen werden getroffen - oder eben nicht?

Nachdem Fritz B. Simon die Begriffe Führung, Unternehmen als autopoietisches System (siehe Coaching Compendium) und Management analysiert, untersucht er an Fallbeispielen von Hewlett-Packard über Yahoo bis Vileda das Zusammenspiel von Unternehmen, Managern und Märkten im Hinblick auf deren jeweilige Intelligenz. Er analysiert das Komplexitätsmanagement und die Methoden bekannter Führungspersönlichkeiten, u.a. Jack Welch aus systemischer Perspektive.

In der Analyse liegt sein Fokus der Aufmerksamkeit auf folgenden Fragen:
Worauf muss der Manager seine Aufmerksamkeit und die des Unternehmens fokussieren?
Wie lassen sich nicht steuerbare Systeme (Unternehmen) steuern?
Was ist der Sinn des Unternehmens?
Welches sind die Gesetze der Kreativität des Unternehmens?
Warum sind Märkte in ihrer Intelligenz beschränkt?

Themen wie Teambildung, Produktentwicklung, Unternehmensgründung, Großgruppeninterventionen,  Ich-AG und manisch-depressiver Märkte dienen Fritz B. Simon als Rahmen um die Funktionalität von Märkten zu erläutern. Er argumentiert schlüssig wie sich folglich auf deren letztlich doch beschränkte Intelligenz reagieren lässt und wie die vorhandene Intelligenz von Organisationen im Hinblick auf die Entscheidungsfindung genutzt und gesteigert werden kann.